Intelligente Linse II

Intelligente Linse II

Google kennt heute jeder. Weniger bekannt sind Googles Experimente zu intelligenten Linsen. Damit stösst der amerikanische Technologiekonzern in den Gesundheitsbereich vor. Über Google X hat sich das Unternehmen völlig unbemerkt von der Öffentlichkeit eine gewaltige Kompetenz in der Miniaturisierung von Elektronik erarbeitet. Diese wird nun bei Kunstlinsen eingesetzt.


Google kennt heute jeder. Als grösste Suchmaschine im Internet oder als Routenplaner, der mit seinen Strassenfotos wahrscheinlich auch Einblick in den Küchentopf geben würde, wenn man denn liesse. In letzter Zeit macht Google auch als Entwickler fahrerloser Autos auf sich aufmerksam. Hinter all diesen Projekten steckt Google X, die fast schon sagenumwobene, hauseigene Forschungsabteilung. Das US-Unternehmen hat sichtlich vom Aufstieg und Fall seiner Vorgänger als Suchmaschinen, wie Yahoo oder AOL gelernt. Denn seit langem treibt es die Diversifizierung seiner Kompetenzen in alle möglichen Richtungen für den Tag X voran, wenn das Geschäftsmodell der Suchmaschinen sein Ende findet.


Mit der Google-Brille wurde der erste Schritt in die Welt des Sehens unternommen. Bislang nicht so erfolgreich wie geplant, das mag an der integrierten Kamera liegen, die Schützer von Persönlichkeitsrechten weltweit auf den Plan rief. Wer will schon ständig das Gefühl haben, fotografiert zu werden, sobald er sich in der Nähe eines Brillenträgers befindet. Das ist ja heutzutage praktisch immer der Fall, jedenfalls so lange bis sich die Augenkorrektur mittels Laser endgültig durchgesetzt haben wird. Um das Brillenprojekt ist es momentan still geworden, aber bei Google kann man nie wissen. Mal schauen, wann sie in neuem Look und mit neuen Funktionen wieder auftaucht.


Viel aufregender und weit weniger bekannt sind Googles Experimente zu intelligenten Linsen. Damit stösst der amerikanische Technologiekonzern in den Gesundheitsbereich vor. Über Google X hat sich das Unternehmen völlig unbemerkt von der Öffentlichkeit eine gewaltige Kompetenz in der Miniaturisierung von Elektronik erarbeitet. Diese wird nun bei Kunstlinsen eingesetzt. Eine mit Sensoren und Mikrochips ausgestattete Linse soll in der Lage sein, Krankheiten zu erkennen, bestehende Krankheiten zu kontrollieren und den Heilungsprozess zu unterstützen. Im Linsenring am Rande der Linse untergebrachte Minisensoren sollen anhand der Tränenflüssigkeit den Zuckerspiegel von Diabetikern messen und an ein mobiles Datengerät übermitteln. Damit könnte die optimale Insulinzufuhr gesteuert werden. Auch bei Alterssichtigkeit sollen Mikrochips und Sensoren zum Einsatz kommen, indem sie die altersbedingt nachlassende Anpassungsfähigkeit des Auges, die sogenannte Akkommodation, unterstützen.

Öffentlich wurden diese Entwicklungen, nachdem im Juli 2014 die in der Pharmazeutik und Medizintechnik tätige Novartis-Tochter Alcon mit Google X ein Joint Venture für die Smart-Lense-Technologie, so der technische Begriff für diesen Bereich, bekanntgab. Diese langfristige Kooperation bietet für beide Konzerne die Chance auf einen enormen Technologiesprung. Und für Menschen mit Augenleiden oder Erkrankungen, die auch die Augen betreffen, die Aussicht auf zusätzliche Alternativen in der Behandlung. Neben der Lösung des Preisproblems müssen beide Firmen allerdings glaubhaft den umfassenden Schutz der persönlichen Daten sicherstellen. Ein Problem das Patienten aufgrund des Arztgeheimnisses mit ihrem Arzt nicht kennen.