Intelligente Linse I

Intelligente Linse I

Bei Kunstlinsen denken die meisten Menschen an Kontaktlinsen, die als Sehhilfe direkt vor dem Auge platziert zu besserer Nah- oder Fernsicht verhelfen. Menschen, die unter Alterssichtigkeit oder Grauem Star (Katarakt) leiden, kennen noch andere, für sie weitaus wichtigere Linsen. Die Rede ist von den sogenannten Intraokularlinsen (IOL). Das sind Kunstlinsen, die die natürliche Linse des Auges ersetzen, weil diese durch äussere Einwirkungen, Krankheiten oder altersbedingt dauerhaft beschädigt ist.

Im Wesentlichen wird bei einer Grauer-Star-OP die natürliche, eingetrübte Linse durch eine solche Kunstlinse ersetzt. IOLs sind komplexer als Kontaktlinsen, müssen sie doch ein kompliziert aufgebautes Gebilde im Augeninneren ersetzen. Heute gibt es praktisch für jedes Augenproblem die passende Kunstlinse. IOLs bestehen aus sehr haltbarem und vor allem körperverträglichem Kunststoff. Wegen dieser ausgezeichneten Körperverträglichkeit ist eine Einheilung, wie bei Körperimplantaten sonst üblich, nicht notwendig. Der optisch wirksame Teil der Linse hat einen Durchmesser von etwa 6 mm und ist am Rand mit elastischen Bügeln ausgestattet, die für sicheren Sitz sorgen. Die Intraokularlinse verbessert Ihr Sehvermögen in aller Regel bereits am Tag der Operation. Die endgültige gute Sehschärfe wird etwas später erreicht.

Man unterscheidet monofokale und multifokale Linsen. Monofokale Linsen sind entweder auf den Fernbereich oder auf den Nahbereich eingestellt (ein Brennpunkt oder Fokus). Das heisst, Sie benötigen im jeweils anderen Bereich auch nach der Operation weiterhin eine Brille, um gut sehen zu können. Bifokale Linsen verfügen über zwei Brennpunkte und ermöglichen dadurch gute Nah- und Fernsicht ohne zusätzliche Sehhilfe.

Leider funktionieren sie nicht in der wichtigen Zwischendistanz von 40-70 cm, wo sich unser Alltag meistens abspielt. Denken Sie nur an das Zeitunglesen oder die Arbeit am Computer. Hier schaffen seit ein paar Jahren trifokale Linsen für Abhilfe, denn sie schaffen durch drei Brennpunkte sowohl im Nah- und Fernbereich, als auch im Mittelbereich für scharfes Sehen. Abgesehen davon, dass in den meisten Fällen die Lesebrille überflüssig wird, bringt dieser Quantensprung in der Linsenentwicklung auch bessere Lichtbrechung und Lichtverteilung mit sich. Das bedeutet zusätzlich weniger Streulichtverlust oder Blendungsphänomene.